Die Schmetterlingsorchideen der Gattung Phalaenopsis

Um sich an Orchideen zu erfreuen, bedarf es nicht zwingend eines Gewächshauses, das im Sommer hinreichend kühl, im Winter dagegen frostfrei und hell ist. Ein normal beheiztes Zimmer reicht für einige Arten völlig aus. Wer zudem möglichst oft und lange einen üppigen Blütenflor genießen, gleichzeitig aber nicht allzu viel Aufwand mit seinen Pfleglingen treiben möchte, weder hinsichtlich der Anschaffung noch bezüglich der Pflege, der landet zwangsläufig bei den Zuchtformen der Gattung Phalaenopsis.

Ideale Zimmergenossen: Phalaenopsis Hybriden – Stephan Gohmann

Foto 1: Dieses Bild verrät uns, warum die Phalaenopsis auch Schmetterlingsorchidee genannt wird.

Es gibt viele, wirklich tolle Orchideenarten. Cymbidien zum Beispiel. Leider wollen die es eher kühl. Auch Dendrobien brauchen es zumindest zeitweise hell und ebenfalls nicht allzu warm, wenn sie denn erneut Knospen ansetzen sollen. Solche Bedingungen sind in unseren zentralgeheizten Wohnungen bisweilen schwer zu verwirklichen. Kommen dann noch Anforderungen wie ausreichende Helligkeit im Winter und ständig genügend Luftfeuchtigkeit hinzu, wird es mit der Pflege daheim echt problematisch. Vertreter der Gattungen Vanda und Ascocenda mögen zwar unsere Wohnzimmerbedingungen, vorausgesetzt dass sie dort ausreichend Licht erhalten, da sie aber reine Luftwurzeln besitzen, also nicht in Orchideensubstrat gepflanzt werden, das in der Lage wäre Feuchtigkeit zu speichern, muss man sie wenigstens alle zwei Tage in einen Eimer Wasser tauchen. Frauenschuhe bereiten als Humusepiphyten in dieser Hinsicht weniger Probleme, blühen aber meist nur einmal im Jahr, wenn auch für einige Woche, besitzen jedoch nicht allzu üppige Blütenstände.

Wenn man also richtig viele Blüten möchte und die auch noch für längere Zeit, das Ganze vorzugsweise mehrmals im Jahr, unter normalen Zimmerbedingungen, bei viel oder wenig Licht, dann bleiben nur noch die Phalaenopsis Hybriden übrig. Die findet man inzwischen zu Hauf in Blumengeschäften, Gartencentern, Baumärkten, sogar im Lebensmittelhandel. Man muss somit nicht lange nach ihnen suchen oder gar spezielle Orchideenzüchtereien bereisen. Das vereinfacht die Sache erheblich. Der Besuch eines Spezialgeschäftes für Orchideen macht aber trotzdem Spaß.

Foto 2: Diese Exemplare sind eingefärbt!! Es gibt derzeit keine von sich aus blau blühende Phalaenopsis im Handel. Lediglich ein paar Doritaenopsis Hybriden, eine Kreuzung der Gattungen Doritis und Phalaenopsis, zeigen eine Färbung, die zwischen Purple und Blau angesiedelt ist. Ferner soll es eine blau blühende Phalaenopsis violacea var. coerulea geben. Was Sie hier im Bild sehen, wird spätestens mit dem nächsten Blütentrieb wieder zu einer weiß blühenden Phalaenopsis. Da derartige Exemplare nicht immer eindeutig erkennbar als „Gefärbt“ deklariert werden, ist das nach meinem persönlichen Empfinden wenig seriös. Wohl kein Betrug im rechtlichen Sinne, aber sicherlich auch keine Maßnahme, die Kundenvertrauen erzeugt. Es mag Leute geben, die solche eingefärbten Pflanzen schön finden, ich treffe regelmäßig aber auch andere, nämlich Menschen, die sehr erstaunt, bisweilen gar erbost sind, wenn ich sie über den Sachverhalt aufkläre. Obwohl es durchaus Stimmen gibt, die vom Geniestreich eines holländischen Züchters sprechen, mein Empfinden geht in eine andere Richtung. Wem es gefällt, bitte sehr, den Pflanzen scheint es nicht zu schaden.

Foto 3: Vor etwa 40 Jahren galten Phalaenopsis mit gelber Blüte noch als etwas Besonderes. Überhaupt waren Orchideen im normalen Blumenhandel damals kaum erhältlich.

Foto 4: Heutzutage gibt es praktisch an „jeder Ecke“ eine Vielzahl farbenfroher Hybriden.

Foto 5: Rötlich blühende Sorten bilden neben den weißen und rotweißen die Mehrheit.

Foto 6: Diese Orchidee steht im Badezimmer vor einem Südfenster mit einer Lamellen Jalousie. Der Raum wird nicht ständig beheizt, hat also nachts auch schon mal unter 20°C. Eine mehrwöchige, kühlere Nachtphase trägt erheblich zur Blütenbildung bei. 38 Blüten waren es bei diesem Exemplar.

Foto 7: Diese Phalaenopsis befindet sich nicht schattiert am Südfenster über einer Heizung. Sie muss häufiger getaucht werden als unsere anderen Hybriden. Eine Hecke vor dem Fenster minimiert die Sonnenstrahlung nur geringfügig. Es können durchaus mal über 50000 Lux werden. Solch ein Standort ist für Phalaenopsis nicht optimal. Empfohlen werden Beleuchtungsstärken bis maximal 10000 Lux, also eher Ost- oder Westfenster. Aber es geht bei entsprechender Pflege auch an der Südseite. Eine dunkle Nordlage ist der Blütenbildung allerdings abträglich.

Foto 8: Auch im Büro bei sehr viel weniger Licht fühlen sie sich wohl. Hier sind es etwa 1000 bis 4000 Lux, die durch die Jalousien fallen. Diese Phalaenopsis hat mal eine etwas andere Blütenform.

Umfangreiche Pflegemaßnahmen wie regelmäßiges Besprühen spare ich mir. Es sei denn, die Blätter sind verstaubt, dann sprühe ich schon mal oder nehme ein feuchtes Tuch und wische die Blätter vorsichtig ab. Nur Luftwurzeln feuchte ich hin und wieder mal an. Beim Sprühen, ich verwende dafür ausschließlich entsalztes Wasser, achte ich darauf, dass kein Wasser längere Zeit in den Blattansätzen verbleibt. Tagsüber liegt die optimale Temperatur für Phalaenopsis-Orchideen zwischen 20° und 30° C, in der Nacht, insbesondere während der für die Blütenbildung wichtigen Ruhephase, sollte die Temperatur 15° C bis 17°C betragen.

Foto 9: Es gibt recht große Exemplare unter den Phalaenopsis Hybriden. Die können dann direkt vor einem Terrassenfenster auf dem Fußboden stehen, wo sie bis zu einem Meter hoch werden.

Foto 10: Neben den großen Sorten findet man auch „Mini-Phalaenopsen“ im Handel. Ob die die klein bleiben, hängt davon ab, wie sie entstanden sind. Liegt es an den Eltern, die selbst kleinwüchsig waren und das weitervererbt haben, dann schon. Ist aber der Einsatz von Wachstumshemmern die Ursache gewesen, dann ist es mit dem Kleinsein vorbei, sobald die verwendeten Substanzen wieder verschwunden sind. Es gibt aber auch Sorten mit kleiner Blüte obwohl die Pflanze insgesamt vergleichsweise groß ist. Somit ist für jeden Größenbedarf etwas dabei.

Foto 11: So sieht das Wässern bei mir aus. Ich fülle einen Messbecher mit handelsüblichem, entsalztem Wasser und dann stecke ich den Topf mit der Orchidee hinein, bis der Becher überläuft. Deswegen passiert das Ganze im Spülbecken. Ich wässere nicht nur kurz sondern durchaus eine Stunde oder gar länger damit sich Wurzeln und Substrat richtig vollsaugen können. Von wegen „nur kurz für einige Minuten“ wie überall empfohlen. Sogar über Nacht habe ich die Pflanzen schon so stehen lassen. Es werden nur die „Orchideenerde“ und die Wurzeln eingetaucht, alles Grüne bleibt komplett außerhalb des Wassers. Danach hebt man den Topf heraus und lässt ihn etwas abtropfen. Die Luftwurzeln, die man bei dieser Orchidee sieht, kann man von Zeit zu Zeit besprühen, damit sie nicht vertrocknen. Diese hier müsste bei Gelegenheit mal umgetopft werden.

Foto 12: Bei größeren Exemplaren muss das Gefäß zum Tauchen ausreichend Platz bieten, sollte aber so eng sein, dass die Pflanze nicht umfällt. Ist das Substrat trocken, hat der Topf anfangs nämlich etwas Auftrieb.

Foto 13: Gewässerte Wurzeln sind grün gefärbt, trockene wirken eher graubeige. Solange die Wurzeln so aussehen wie bei der Pflanze links im Bild, muss nicht getaucht werden. Durchsichtige Töpfe erleichtern die Begutachtung. Vertrocknete Wurzeln wie bei der linken Orchidee schneidet man ab.

Foto 14: Der linke Umtopf enthält eine Lage Blähton. Dieser verhindert, dass die unteren Wurzeln ständig im Wasser stehen, wenn sich dort unten nach dem Tauchen Wasser angesammelt hat. Im rechten Topf ist das nicht erforderlich. Dort steht der Topf der Orchidee aufgrund der eingearbeiteten Umrandung zwangsläufig etwas erhöht. In den Platz darunter kann überschüssiges Wasser abtropfen.

Der Umtopf, in dem sich die Orchidee befindet, sollte etwas höher und unten mit einer Lage Blähton gefüllt sein, damit sie nicht in dem Wasser, das sich unten im Topf gesammelt hat, steht. Optimaler Weise sind Orchideenumtöpfe am Boden glasiert. Andernfalls gelangt Wasser durch die poröse Keramik auf das Material, auf dem besagter Umtopf steht. Ein Holzschrank kann dadurch im Laufe der Zeit Schaden nehmen. Ein Untersetzer schafft dann Abhilfe.

Foto 15: Ist der Übertopf nicht glasiert, weder innen noch außen, dann gelangt eventuell Wasser durch das poröse Material auf die Fläche, auf der der Topf steht. Das kann Schäden hervorrufen. In solchen Fällen verwendet man einen Untersetzer oder tauscht den gesamten Übertopf aus.

Getaucht wird wöchentlich. Es sei denn, die Phalaenopsis steht sehr sonnig und/oder auf einer Fensterbank über einer Heizung. Dann kann diese Maßnahme auch zweimal pro Woche erforderlich sein. Alle vierzehn Tage kommt etwas Orchideendünger ins Tauchwasser. Normaler Blumendünger geht auch, den muss man dann aber wenigstens zehnfach verdünnen, denn die Phalaenopsis sind an geringe Nährstoffkonzentrationen angepasst. In Ihrer Heimat leben sie als Epiphyten auf Bäumen, da ist das Angebot an Nährstoffen halt recht gering.  Ich nutze unterschiedliche Dünger, also einen eher stickstoffbetonten vor der Blüte und einen phosphorbetonten während der Blütezeit.

Foto 16: Zwei unterschiedliche zusammengesetzte Orchideendünger. Der Begriff „Orchideendünger“ besagt lediglich, dass diese Dünger stärker verdünnt sind als vergleichbare Präparate wie sie beispielsweise für Balkonblumen zum Einsatz kommen. Bei sogenannten NPK-Düngern (NPK = Stickstoff – Phosphor – Kalium) gibt die erste Zahl (hier 4 bzw. 6) den Stickstoff-, die zweite den Phosphor- (hier 6 bzw. 3) und die letzte den Kaliumgehalt an. Bei stickstoffbetonten Düngern ist die erste Zahl die höhere, bei phosphorbetonten die zweite.

Ein paar Hinweise zum Schnitt. Grundsätzlich gilt „alles Grüne ist tabu“ und wird somit nicht geschnitten. Wir warten, bis Blätter, Wurzeln oder Blütentriebe vollständig vertrocknet sind. Eine Ausnahme bilden die Blütenstängel, die wir auch schon mal im grünen Zustand kürzen können. Ein scharfes Cuttermesser leistet hier gute Dienste. Wollen wir unserer Phalaenopsis eine Blühpause gönnen, sie braucht die bisweilen, um neue Kräfte zu sammeln, dann kürzen wir den Stängel möglichst weit unten. Lassen wir drei oder vier Knoten stehen, treibt eventuell aus einem schlafenden Auge ein neuer Blütenstängel aus. Mehr als zweimal sollte man das aber nicht machen, danach gönnt man der Pflanze eine Blühpause, indem man den Stängel etwa 1,5 cm über dem ersten Knoten abtrennt.

Foto 17: Bei dieser Orchidee wurden die Stängel nach der Blüte gekürzt. Aus sogenannten schlafenden Augen entstanden an den Knoten neue Blütenstängel. Der Blütenflor wird aber in der Regel kleiner ausfallen, als bei einem neuen Stängel nach einer Ruhephase.

Foto 18: Bisweilen bildet sich an einem abgeschnittenen Blütenstängel anstelle einer neuen Blüte ein Ableger, den man abtrennen kann, wenn er groß genug ist und ausreichend Wurzelwerk gebildet hat. In der Regel ist das frühestens nach einem Jahr der Fall. Man schneidet einfach den Stängel ober- und unterhalb des Ablegers durch, so dass ein gut fünf Zentimeter langes Stück verbleibt. Vor dem Eintopfen empfiehlt es sich, die Schnittstellen zwei bis drei Tage trocknen zu lassen. Eintauchen der Schnittstellen in Zimtpulver soll diese desinfizieren. Im Unterschied zu diesem Stielkindel gibt es auch sogenannte Stammkindel, die sich unten an der Mutterpflanze bilden und schwieriger abzutrennen sind. Man kann sie auch dort belassen.

Von Zeit zu Zeit wird es erforderlich sein, eine Phalaenopsis umzutopfen. Das ist der Fall, wenn der Topf vor lauter Wurzeln überquillt oder das Substrat langsam aber sicher zerfällt. Man nimmt dann den nächstgrößeren Topf, er sollte nämlich nicht überdimensioniert sein, und nutzt die Gelegenheit, um altes, trockenes oder gar fauliges Wurzelwerk mit einer guten Gartenschere zu entfernen. Geeignetes Orchideensubstrat erhält man im Gartenhandel. Man kann auch blühende Exemplare umtopfen, einfacher geht es allerdings während der blütenfreien Zeit.

Foto 19: Zum Umtopfen wird die Orchidee vorsichtig aus ihrem alten Topf herausgeholt. Eine darunter stehende Schale fängt das Substrat auf. Die Wurzeln können aber mehr oder weniger fest an den Wandungen sitzen. Da Orchideen als Epiphyten üblicherweise an den Ästen von Bäumen haften, muss man, um sie vom Topf zu lösen, den Behälter etwas kneten, was bei Kunststoff kein Problem darstellt.

Foto 20: Danach kommt die Pflanze in den nächstgrößeren Topf, ich verwende ausschließlich solche aus transparentem Material. Nur so kann man erkennen, ob das Wurzelwerk gesund, noch feucht oder trocken ist.

Foto 21: Den Topf mit neuem Orchideensubstrat zu füllen, ist etwas Fummelei. Man muss ein wenig klopfen und schütteln, damit es bis unten zwischen das Wurzelwerk rutscht.

Bild 22: Beim Bummel durch die Orchideenabteilungen kann man vereinzelt auch Exemplare mit einer etwas abweichenden Blütenform entdecken.

Foto 23: Sie haben es wahrlich nicht verdient entsorgt zu werden sobald sie verblüht sind, wenngleich erst dieses verschwenderische Verhalten der Verbraucher sie zu der preiswerten und gleichzeitig vielfältigen Massenware werden ließ, die sie heute sind. Zwei Seiten einer Medaille.

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