Kamelien wollen in den Garten

Langsam aber sicher beginnt in diesen Tage die Kamelienzeit, soll heißen alle Jahre wieder so um die Weihnachtszeit tauchen die ersten Pflanzen im Handel auf und sicherlich fragt sich da manch einer, ob er vielleicht mal einen Versuch wagen sollte mit dieser …

… Rose des Winters – Stephan Gohmann

Kamelien können sehr unterschiedliche Blüten haben

Die Heimat der einige Meter hoch werdenden und mit dem Teestrauch verwandten Kamelien liegt in Ostasien. Mit Asien verbindet man Sonne, Wärme, Urwald und so müsste sich die Kamelie in unseren Wohnzimmern eigentlich richtig wohlfühlen, sollte man meinen. Tut sie natürlich nicht, da Asien nur zum Teil in den Tropen liegt. Nimmt man solch eine Pflanze mit nach Hause und stellt sie in einer beheizten Umgebung auf, so verliert sie meist binnen kurzer Zeit sämtliche Blüten. Kühl braucht sie es, gerne auch kalt, aber keinen Dauerfrost. In ihrer Heimat sollen sie zeitweise sogar komplett einschneien. Dort haben sie es dann dunkel, sogar für längere Zeit, aber halt nur kalt und nicht eisig wie bei uns. Ganz im Gegenteil, der Schnee isoliert und schützt vor Minusgraden. Bekommen aufblühende, das heißt bereits leicht farbige Knospen Frost, fallen sie ebenso wie bei Wärme ab und drum hat man als Kamelie schnell den Ruf einer launischen Diva weg.

Nicht alle Kamelienblüten besitzen gelbe Staubgefäße in der Mitte

Viele der im Handel erhältlichen Zuchtformen sind relativ winterhart, auch hier in unseren Breiten. Meine Kamelien stehen alle ausgepflanzt im Garten und nicht eine ist bisher erfroren. Schlimmstenfalls haben sie durch Frostschäden ein paar Blätter eingebüßt, aber das machen sie während ihrer Wachstumsphase im Frühjahr leicht wieder wett. Der Boden muss jedoch sauer sein. Das erreicht man mit Torf, Laub, Sägespänen und Rindenmulch. Im Frühjahr brauchen sie mehr Stickstoff als Phosphat. Also dünge ich sie im März mit ein paar Handvoll Hornspänen und etwas Thomaskali. Das reicht meist fürs ganze Jahr. Werden die Blätter gelblich, deutet das auf Stickstoffmangel hin, dann gibt es noch einen Nachschlag. Spätestens ab Juni/Juli wird nicht mehr gedüngt, vor allem kein Stickstoff, damit sie nicht noch mal wieder austreiben. Sie sollen jetzt Ihre Blütenknospen anlegen. Als Waldpflanze wollen sie es nicht zu sonnig, vor allem morgendliche Wintersonne sollte man meiden. Da muss man halt im Garten mal nachschauen, wann dort wo die Sonne scheint. Allerdings bilden Kamelien nur dann viele Blüten aus, wenn sie im Frühsommer ausreichend Licht und Wärme bekommen, deswegen nicht in die finsterste Ecke verbannen.

Ob rot, rosa oder weiß, alle Kamelienblüten sind reizvoll.

Wichtig ist ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Bei meinem trockenen Sandboden muss ich ständig gießen, wenn es nicht friert bei stark den Boden austrocknendem Ostwind sogar im Winter. Eine ordentliche Mulchschicht aus Laub, Stroh oder Rindenmulch schützt den Wurzelbereich vor Frost und vermindert die Gefahr des Austrocknens. Ansonsten gibt es bei mir keinen weiteren Winterschutz. Was aber macht man, wenn einem jetzt eine Kamelie gefällt, man aber kein helles, kühles Zimmer hat? Auspflanzen darf man sie eigentlich nur im Frühjahr, heißt es. Jetzt kommt uns zugute, dass sie in ihrer Heimat auch schon mal längere Zeit komplett einschneien. Ich stelle die Pflanzen einfach im Topf nach draußen, geschützt vor Morgensonne und Ostwind und halte sie feucht. Bei Dauerfrost oder extrem niedrigen Nachttemperaturen kommen die Pflanzen solange in eine frostfreie Garage oder einen kühlen Kellerraum. Einige Wochen Dunkelheit schaden nicht, man muss sie aber feucht halten, das ist schon wichtig. Wird das Wetter wieder besser, transportiere ich sie erneut nach draußen. Im Falle stärkerer Nachtfröste kommen sie halt abends in den Keller und morgens wieder raus. Wer dazu keine Lust hat, lässt besser die Finger von den Pflanzen. Bei Kamelien, die bereits sehr große, farbige Knospen haben oder schon erblüht sind, ist das Risiko, dass sie die Blüten oder Knospen abwerfen größer. Dauerhaft im Haus halten sich Kamelien grundsätzlich nur dann, wenn man ihnen einen kühlen, hellen Wintergarten für die Wintermonate bieten kann. Allerdings sind sie nach meinen eigenen, inzwischen mehrjährigen Erfahrungen im Garten sehr gut aufgehoben, zumindest die als winterhart geltenden Sorten und das sind durchaus einige. Ich kaufe sie übrigens meistens im Frühjahr als verblühte und deswegen reduzierte Exemplare und pflanze sie möglichst bis spätestens August aus. Falls am gewählten Standort eine Kamelie nicht blühen will, meistens ist es ihr dort zu dunkel, kann man sie recht gut umpflanzen, da ihr Wurzelballen eher klein ausfällt. Klar, so üppig wie am Lago Maggiore wird sich der jährliche Blütenflor keineswegs jedes Jahr entwickeln, aber es sind dennoch auch hier tolle Pflanzen.

Aus aktuellem Anlass ein kurzes Update:

Derzeit haben wir ganztägig Frost, nachts bis – 8°C.  Ob die Kamelien Schaden davon getragen haben, wird man erst später erkennen können. Bisher sieht es nicht danach aus.

Kamelie bei -8°C.

Selbst von solchen Schäden, entstanden durch einen Eisregen, erholen sich gesunde Kamelien erfahrungsgemäß recht gut.

Nach vierzehn Tagen Frost mit einigen Tagen Dauerfrost hat meine Spring Festival, eine Kamelie mit relativ kleinen Blüten, aber recht guter Frosthärte, einige Knospen abgeworfen.

Dennoch sind ihr immer noch allerlei Knospen verblieben.

Erneut haben all meine Kamelien den Winter gut überstanden und blühen, wenn auch unterschiedlich stark. Dieses Jahr besonders prächtig: Nuccio´s Jewel.

  

Diese weiß blühende Kamelie steht zu sonnig. Das rechte Bild zeigt die Südseite. Hier sind die Blüten braun verbrannt. Links dagegen die Nordseite, dort sind sie in Ordnung. Ich habe sie jetzt an einen schattigeren Platz gesetzt.

So groß können Kamelien in Norddeutschland werden. Hier ein Garten im Raum Bremen.

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