Probleme in Meerwasseraquarien

Wenn es um das Riffsterben geht, dann tauchen in den Medien regelmäßig zwei Begriffe auf, die Korallenbleiche, verursacht durch zu hohe Temperaturen, und die Versauerung der Meere aufgrund steigender Kohlendioxidgehalte. Beide Phänomene lassen sich auch auf das Aquarium übertragen. Während wir die Temperatur recht gut im Griff haben, zumindest solange die Technik nicht versagt, sind die Kohlendioxidkonzentration oder die Kalksättigung den meisten Aquarianern eher unbekannt.

Korrekturen für Problemaquarien – Stephan Gohmann

Sobald Korallen kümmern oder ausbleichen werden erst einmal die Wasserwerte gemessen. Anspruchsvolle Aquarianer lassen das heutzutage per ICP machen, um dadurch eine möglichst große Datenmenge zu erhalten. Mit etwas Glück finden sich ein paar Werte, die nicht optimal sind, bei der Vielzahl ist die Wahrscheinlichkeit ja recht hoch, und die werden dann als Ursache ausgemacht. Das ist grundsätzlich nicht neu oder falsch, man hat das auch früher schon so durchgeführt, wenn auch mit weniger Parametern und ohne ICP. Bei der heutigen Flut an Messergebnissen bin ich allerdings bisweilen geneigt von Unbekannten statt von Messwerten zu sprechen, wissen wir doch in vielen Fällen nicht einmal, wo die Grenzwerte eigentlich liegen sollten. So stellt sich mir bei diversen Spurenelementen die Frage, bauen Korallen die in ihr Skelett ein, weil sie die benötigen oder sind die nur deswegen dort zu finden, weil sie sich chemisch ähnlich wie der Kalk verhalten und mit ausfallen? Außerdem nützt der beste Messwert nichts, wenn er falsch interpretiert wird. Beim Phosphat gilt ein Wert von Null als optimal, so die landläufige Meinung in Aquarianerkreisen, in meinen Augen stellt er ein Problem dar. Das jeweilige Aquarium funktioniert deswegen, weil gerade so viel Phosphat produziert wie verbraucht wird. Da muss man nur weniger füttern oder etwas mehr Phosphat durch Kalkzugabe und pH-Wert Erhöhung ausfällen und schon beginnen die Korallen auszubleichen. Ein Leben am Limit.

Nicht immer benötigt man Messwerte. Weit geöffnete, feinfiedrige Tentakeln sind ein Zeichen gesunder Korallen.

Was unsere Steinkorallen für den Skelettaufbau benötigen, ist Calciumcarbonat, das sie als metastabiles Aragonit und nicht in der stabileren Calcitstruktur verbauen. Aragonit geht aber leichter in Lösung als das Calcit und insofern sind Steinkorallen mit ihrem Kalkskelett besonders empfindlich gegen sinkende pH-Werte. Das Ausfällen des Kalks gelingt ihnen umso besser, je näher sich das Wasser am sogenannten Aragonitsättigungspunkt befindet. Leider kann man den nicht so einfach messen und auch nicht mal eben aus Calciumgehalt und Karbonathärte berechnen. Einfluss darauf haben der Kohlendioxidgehalt, die Menge an gelöstem Carbonat und natürlich auch das vorhandene Calcium.

 Beim Aragonitsättigungspunkt werden das Produkt aus Calcium- und Karbonatkonzentration ins Verhältnis zur Aragonitlöslichkeit gesetzt. Ist Ω > 1, dann ist das Wasser übersättigt und ideal für die Skelettbildung. Ω < 1 bedeutet, dass Aragonit die Tendenz hat in Lösung zu gehen.

Die Temperatur spielt für die Aragonitlöslichkeit ebenso eine Rolle wie der Druck oder die Salinität. Je mehr Kohlendioxid letztlich im Wasser vorliegt, desto mehr Carbonat wandelt sich in Hydrogencarbonat um. Wir entfernen uns vom Sättigungspunkt, was den Skelettaufbau erschwert oder unmöglich macht. Je höher der Carbonatanteil und je höher der pH-Wert, desto leichter fällt Kalk aus. Vorausgesetzt es ist genügend Calcium vorhanden. Wissenschaftler nehmen an, dass es den Korallen bei sinkenden pH-Werten zunehmend schwerer fällt, die bei der Calcifizierung anfallenden Wasserstoffkationen an das umgebende Wasser abzugeben. Außerdem würden die Kalkkristalle größer, wodurch das Skelett poröser werde. Somit wäre nicht das Carbonatanion an sich das, was die Koralle benötigt, sondern einen durch wenig Kohlendioxid und dementsprechend mehr Carbonat hervorgerufenen, höheren pH-Wert. Der Mechanismus der Calcifizierung ist bis heute nicht exakt entschlüsselt, nichtsdestotrotz weiß man, das sinkende pH-Werte ihm entgegen wirken. Bekannt ist ferner, dass Korallen zu einem Großteil Kohlendioxid aus dem eigenen Metabolismus für den Skelettaufbau nutzen und weniger das, was wir als Karbonathärte des Wassers messen, nämlich Hydrogencarbonat und Carbonat. Insofern scheint weniger die Höhe der Karbonathärte als der pH-Wert des Wasser entscheidend zu sein.

Das Diagramm zeigt die unterschiedlichen Konzentrationen von Kohlendioxid, Hxdrogencarbonat und Carbonat bei verschiedenen pH-Werten. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Versauerung_der_Meere

Durch eine höhere Alkalinität steigt zwar der pH-Wert und die pH-Schwankungen nehmen ab, aber welcher pH-Wert daraus resultiert hängt vom Kohlendioxidgehalt ab.

Quelle: http://www.korallen-wiki.de/index.php?title=Datei:CO2_Alkalinit%C3%A4t_pH_Verh%C3%A4ltnis.png

Moderne Produkte für die Kalkversorgung eines Riffaquariums wie beispielsweise das Aqua Medic Tri Complex unterscheiden sich von der herkömmlichen Ballingmethode, indem sie neben Hydrogencarbonat auch noch Carbonat enthalten, um so den pH anzuheben und das Wasser stärker Richtung Sättigungspunkt zu drängen. Man gibt solche Lösungen vorzugsweise morgens zu, um den pH-Wert, der zu dieser Zeit durch die nächtliche Kohlendioxidproduktion der Bewohner niedrig ist, anzuheben und den Kohlensäureüberschuss abzubauen.

Das Aqua Medic Tri Complex besteht aus drei Lösungen. Die Transparente enthält neben Hydrogencarbonat auch Carbonat und trägt so dazu bei, den Aragonitsättigungspunkt zu erreichen. Gleichzeitig wird der pH-Wert angehoben und gepuffert.

Auch die uralte Methode der Kalkwasserzugabe erhöht den pH-Wert und wandelt Hydrogencarbonat in Carbonat um. Früher gab ich, wenn der pH morgens unter 7,0 liegt, einen Schluck Kalkwasser in das jeweilige Meerwasseraquarium, sodass der pH kurzfristig auf wenigstens 8,2 angehoben wird. Bisweilen wende ich diese Vorgehensweise noch heute an.

Tri Complex: Die rötliche Lösung enthält Calcium, Magnesium, Strontium und diverse Spurenelemente, die blaue Hydrogencarbonat, Iod und Fluorid. Die transparente dient wie beschrieben zum Erreichen des Aragonitsättigungspunktes. Verwendet man alle drei gleichzeitig, so vermeidet man Ionenverschiebungen. Es ist allerdings absolut kein Problem, die Komponenten zeitweise auch einzeln einzusetzen, um bestimmte Parameter gezielt anzupassen.

Morgens circa einen Teelöffel Calciumhydroxid aufzuschlämmen und in das Aquarium zu geben, erhöht der pH-Wert, wandelt Hydrogencarbonat in Carbonat um und vermindert den Kohlendioxidgehalt. Die Menge muss man ausprobieren, der pH darf ruhig bis auf 8,5 ansteigen. Es entstehen dabei Ausflockungen, die einige Zeit brauchen, bis sie wieder verschwunden sind. Ähnliches passiert, wenn man eine reine Natriumcarbonatlösung ins Aquarium schüttet. Beim Tri Complex hingegen entsteht eine sehr feine Trübung die sofort wieder in Lösung geht und es kommt nur noch zu sehr geringfügigen Tag-/Nachtschwankungen beim pH-Wert.

Mit Hilfe solche Dosieranlagen gibt man die drei Komponeneten des Tri Complex zu. Allerdings sollte man regelmäßig die Karbonathärte, den pH-Wert und den Calciumgehalt kontrollieren. Übertrieben hohe Werte sind ebenso schädlich wie viel zu niedrige. Ich würde folgende Zielsetzung ausgeben: Karbonathärte max. 10-12° , Calciumgehalt 420 bis 450, pH-Wert 8,2 bis 8,5. Unbedingt aufpassen, dass die Karbonathärte nicht ins Unendliche steigt. Niemals solche Dosiergeräte ohne regelmäßige Kontrolle der Wasserwerte betreiben!

Beim pH sind Werte von 8,2 bis 8,5 sind ideal. Ein guter Abschäumer sorgt übrigens auch für ein ausgeglicheneres Gasgleichgewicht zwischen Kohlendioxid, Sauerstoff und Stickstoff. Deshalb sollten Riffaquarien möglichst nicht in Räumen stehen, in denen sich regelmäßig sehr viele Menschen aufhalten oder gar geraucht wird, denn das erhöht den Kohlendioxidgehalt der Luft und somit auch des Wassers.

Die pH-Messung ist ein ganz wesentlicher Baustein für die erfolgreiche Pflege von Korallen. Treten große Schwankungen zwischen Tag und Nacht auf oder erreicht der pH nicht mehr die sonst üblichen Werte, heißt es einzugreifen. Vorausetzung für sinnvolle Messergebnisse ist eine regelmäßige Kalibrierung des Messgeräts. Als Mindestintervall würde ich einen monatlichen Rythmus empfehlen, besser ist es allerdings das wöchentlich durchzuführen. Aber wer macht das schon? Wir kaufen zwar teure Technik aller Art, aber diese dann zu pflegen und zu warten, dafür haben viele keine Zeit.

Wir müssen uns unbedingt von der Vorstellung verabschieden, dass aus einer hohen Karbonathärte zwingend ein hoher pH-Wert resultiert. Bei der KH-Bestimmung messen wir alles, was mit Säure reagieren kann, Hydrogencarbonate, Carbonate und Hydroxide, auseinanderhalten können wir das nicht. Selbst eine hohe Karbonathärte führt bei ausreichend viel Kohlendioxid zu einem vergleichsweise niedrigen pH-Wert. Wir entfernen uns vom Aragonitsättigungspunkt. Aus einer eher niedrigen Karbonathärte bei wenig Kohlendioxid resultiert ein höherer Anteil an Karbonat, wir sind dann nah am Sättigungspunkt, sofern auch noch ausreichend Calcium vorhanden ist. Insofern ist die Betrachtung von Karbonathärte und Calciumgehalt ohne gleichzeitige Messung des pH-Wertes relativ wertlos. Erst wenn der pH stabil hoch ist, auch nachts, dann sind wir zumindest recht nah am Sättigungspunkt.

Ferner müssen Korallen Futter erhalten, damit sie ihr Gewebe und die Zooxanthellen mit Nährstoffen versorgen können. Die meisten besitzen ihre Tentakeln nämlich nicht, weil sie damit so schön in der Strömung wedeln können, sie nutzen sie zur Nahrungsaufnahme. Bisweilen haben Aquarianer ausreichend Fische im Aquarium, die sie mit allerlei Futtersorten verwöhnen, und dabei fällt genug für die Korallen ab. Ist das nicht der Fall, füttert man zu. Frisch geschlüpfte Artemien oder geschälte Artemiaeier sind immer eine gute Wahl. In Aquarien mit gut genährten und optimal wachsenden Korallen treten seltener überhöhte Phosphat- und Nitratgehalte auf. Das dürfte damit zusammenhängen, dass sie diese Nährstoffe bei entsprechendem Wachstum verbrauchen. Mein Eindruck ist, dass man die Korallen nicht durch eine Phosphatabsenkung zum Wachsen bringt, sondern umgekehrt, dass der Phosphatwert sinkt, weil die sich die Korallen aufgrund eines erreichten Aragonitsättigungspunktes und/oder einer verbesserten Beleuchtung optimaler entwickeln können. Allerdings sollte man Aquarien niemals extrem phosphat- und nitratarm betreiben, insbesondere dann nicht, wenn man die Korallen durch Licht sowie ausreichend hohe pH-Werte und Karbonathärtegrade zu stärkerem Wachstum anregt. Vor allem Phosphatmangel führt zu Ausbleicherscheinungen [http://www.korallen-wiki.de/index.php?title=N%C3%A4hrstofflimitierung]. Unter 0,02 mg/l würde ich den Wert niemals absinken lassen. Zur Erhöhung verwende ich eine Lösung von 3,5 g Kaliumdihydrogenphosphat in einem Liter Osmosewasser. Ein Milliliter der Lösung auf 100 Liter Wasser steigert den Phosphatgehalt um rund 0,025 mg/l. Im Meer sind die Phosphatwerte zwar sehr niedrig, aber konstant, was im Aquarium nicht zwingend der Fall ist. Nitratmangel wird von Korallen übrigens besser vertragen als ein Phosphatdefizit. Es soll sogar stickstofffixierende Bakterien geben, die in einer Art Symbiose mit Korallen leben.

Im unteren Messbereich (linke Küvette) ist bisweilen schwer ablesbar, ob noch ein Minimum an Phosphat vorhanden ist oder nicht. Im Zweifelsfall würde ich den Gehalt dann lieber etwas erhöhen. Werte bis 0,1 mg/l stellen absolut kein Problem dar. Es gibt gar Untersuchungen, dass bei höheren Phosphatwerten die Wachstumsrate steigt, das Skelett allerdings poröser wird.

Ich gebe in meine Meerwasseraquarien regelmäßig etwa einen Dosierlöffel des Aqua Medic Denimar Powders auf 150 Liter, eigentlich als Nahrung gedacht für die Bakterien eines Nitratfilters, um so die Korallen mit organischem Kohlenstoff zu versorgen. Dies wirkt sich sehr günstig auf das Polypenbild aus, ohne dass ich hier exakt darlegen könnte, woran das liegt. Ob Korallen diese Kohlenstoffquelle direkt nutzen oder ob es Bakterien tun, die dann als Symbiosepartner ihren Wirt versorgen, ob die Bakterien den Korallen direkt als Nahrung dienen, all das entzieht sich meiner Kenntnis. Ich glaube aber, dass der Ernährung der Korallen, sei es über Bakterien, Ausscheidungen der Fische oder Planktonfang, weitaus größere Bedeutung zukommt, als den meisten Wasserparameter, an denen Aquarianer vorzugsweise „herumdoktern“.

Aqua Medic Denimar: Ich gebe davon täglich etwa einen Dosierlöffel auf 150 Liter Aquarienwasser.

Kommen wir zum nächsten Punkt einer erfolgreichen Korallenpflege, dem Licht. Da ein Tropentag ziemlich konstant zwölf Stunden hat, beleuchten wir unser Aquarium 12 bis 13 Stunden pro Tag. Wir wählen eine Leuchte, die eher blaubetont ist, und deren Gesamtlichtfarbe zu höheren Kelvinwerten tendiert, irgendwo zwischen 10000 und 20000 Kelvin. Als Lichtmenge für normal große Aquarien (Höhe und Breite zwischen 50 und 70 cm) kalkulieren wir mit 0,3 bis 1,0 Watt pro Liter Wasser. Damit hätten wir die Rahmenbedingungen in Form einfacher Faustregeln umrissen. Halogenmetalldampfbrenner, in Aquarianerkreisen kurz HQI genannt, sind inzwischen etwas aus der Mode gekommen. T5 Röhren erleben in Form der Hybridtechnik, einer Mischung aus LED und T5, eine kleine Renaissance. Überwiegend arbeiten Aquarianer aber inzwischen mit LED-Leuchten und die haben oftmals den Vorteil, dass wir die Lichtzusammensetzung durch das Ansteuern einzelner Kanäle variieren können. Früher tauschte man die Leuchtmittel, verlor so zwar keine Leistung, konnte aber einzelne Wellenlängenbereiche weniger gut beeinflussen.

Das Diagramm zeigt das Spektrum einer LED Leuchte für Meerwasseraquarien. Die grüne Kurve stellt den Bereich dar, auf den das menschliche Auge am empfindlichsten reagiert. Luxmeter messen in diesem Wellenlängenbereich und auch die Lumen Messung ist daran angelehnt. Wie Korallen „sehen“ zeigt die blaue Kurve. Sie nutzen überwiegend blaues und ein wenig rotes Licht. PAR Messgeräte sind darauf optimiert, haben aber wie man an der schwarzen Kurve sieht, dennoch einen deutlich anderen Messbereich. Egal welche Daten wir heranziehen, ob Lux, Lumen oder PAR, ob eine Koralle unter einem Licht optimal wächst oder nicht, können wir allein daraus schwer ersehen.

Licht hat einen großen Einfluss auf den pH-Wert und damit auch den Aragonitsättigungspunkt unseres Aquarienwassers. Nachts, wenn die Beleuchtung aus ist und keine Photosynthese mehr betrieben wird, sinkt der pH ab, bisweilen auf Werte um 7,6, weil von den Bewohnern nach wie vor Kohlendioxid produziert, dieses aber nicht mehr verbraucht wird. Damit liegen wir dann mit ziemlicher Sicherheit unterhalb des Aragonitsättigungspunktes und wir stellen auch fest, dass Korallen oft über Nacht ausbleichen oder Gewebe verlieren. Über eine ausreichend vorhandene Menge an Carbonat schaffen wir es, diese Tag/Nacht-Schwankungen zu minimeren. Die nächtliche Zugabe von Kalkwasser als alleinige Maßnahme war allerdings bei mir selten von Erfolg gekrönt. Eine Erklärung habe ich dafür nicht. Erst die Mischung von Hydrogencarbonat und Carbonat erbrachte eine erhebliche Stabilisierung, was dann zur Entwicklung des Tri Complex führte. Da ich als Mitarbeiter der Firma Aqua Medic vorzugsweise mit unseren Produkten arbeite, sind die auch in diesem Beitrag stark vertreten. Allerdings lässt sich das hier Geschriebene ja ohne weiteres auf andere Geräte übertragen, insofern dürfte das ohne Belang sein. Grundsätzlich kann man festhalten, wenig Licht und wenig Korallen ergeben aufgrund geringer Photosyntheseleistung niedrige pH-Werte. Bei hohem Tierbesatz sinkt der pH nachts besonders stark ab, da die halt auch sehr viel Kohlendioxid produzieren, das im Dunkeln, anders als am Tage, nicht verbraucht wird. Ein ausreichend hoher Anteil an Carbonat puffert solche Schwankungen erheblich ab. Insofern kann man pH-Wert, Karbonathärte, Besatz und Beleuchtung niemals unabhängig voneinander betrachten. Generell kann man sagen, dass Licht mit hohem Blauanteil idealer ist, auch wenn das die Lumen-Ausbeute einer Leuchte senkt. Insbesonder Rot kann zu Ausbleicherscheinungen führen.

Die Aqua Medic spectrus wird per App programmiert.

Sie hat sechs Kanäle und sieben Lichtfarben. Man hat hier auch die Möglichkeit, einzelne LEDs zu ersetzen, um beispielsweise einen höheren Blauanteil zu erzielen.

Hier das von mir in Verbindung mit der spectrus genutzte Programm. Der weiße Kanal wurde deutlich verringert, Rot und Violett, die sich einen Kanal teilen, halbiert und Grün auf 10% reduziert. So entsteht ein weißbläulicher Lichteindruck.

Der Aqua Medic Qube 50 hat zwei Kanäle die sowohl manuell als auch per Qube control ansteuerbar sind.

Qube control mit Fernbedienung. Man hat fünf Programmstufen mit deren Hilfe man Uhrzeit und Intensität für den weißen und den blauen Kanal steuern kann. Auch hier habe ich den weißen Kanal auf die Hälfte herunter gedimmt.

Auch bei der aquarius nutze ich das weiße und rote Licht nur zu 50%. So entsteht ein eher bläuliches Licht mit leichter „Purple-Note“. Mir kommt es im Unterschied zu vielen anderen Aquarianern nicht auf hohe Lumenwerte an, die man nur mit einem entsprechend hohen Weißanteil erreichen kann, sondern auf das blaue Licht. Schon vor vielen Jahren haben Wissenschaftler in Versuchen nachgewiesen, dass man Korallen leichter in tiefere Regionen, also in Bereiche mit mehr Blau umsiedeln kann, als umgekehrt.

In diesem Aquarium trieben Dinoflagellaten ihr Unwesen. Die Reduzierung des Weißlichts um 50%, eine Erhöhung des pH-Wertes und des Carbonatanteils mit Hilfe des Tri Complex sowie das Entfernen von Silikat aus dem Osmosewasser führten binnen einer Woche zum vollständigen Verschwinden dieser Plagegeister. Kalkrotalgen zeigten da bereits wieder erste Wachstumsränder, Schnecken begannen umher zu kriechen.

Zu guter Letzt wollen Korallen sauberes, klares Wasser. Dazu machen wir den Tassentest. Man nehme zwei hohe, weiße Kaffeetassen und fülle eine mit dem zu prüfenden Meerwasser, die andere mit Leitungswasser. Jetzt schaut man von oben in beide Tassen und prüft, ob im Vergleich zum völlig farblosen Leitungswasser in der anderen Tasse ein deutlicher Gelbstich zu sehen ist.

Links Meerwasser, rechts Leitungswasser. Es ist nur ein geringer Gelbstich erkennbar.

Ist eine eindeutige Gelbfärbung vorhanden, filtern wir entweder einige Zeit über Aktivkohle oder wenden Ozon an, so die allgemeine Empfehlung. Das funktioniert allerdings nur, wenn das Gelb durch organische Verbindungen hervorgerufen wird. Stammt es aber von Dinoflagellaten, nützt das alles gar nichts. Hier half bei mir letztlich eine Verstärkung der Blaubeleuchtung und eine Verringerung des Weißanteils. Gleichzeitig wurde das Osmosewasser über einen Ionenaustauscher gefiltert, um den Silikatgehalt im Reinwasser (nicht im Aquarienwasser, dort war nichts nachweisbar) von etwa 0,7 mg/l auf fast Null zu reduzieren. Danach stieg das Redoxpotential von selbst auf Werte um die 450 mV an, diese blieben auch stabil.

Indem man der Osmoseanlage einen Mischbettaustauscher (Entmineralisierungsharz) nachschaltet, entfernt man das noch im Wasser verbliebene Restsilikat. Mit einem halben Liter Vollentsalzer kann man erfahrungsgemäß 1000 bis 1500 Liter Reinstwasser herstellen, dann muss das Harz erneuert werden. Man misst regelmäßig die Leitfähigkeit oder den Silikatgehalt des entsalzten Wassers. Beginnen die Werte zu steigen, wird das Harz getauscht.

In den von mir mir konstant hohem pH-Wert und blaulastigem Licht gepflegten Aquarien ist das immer der Fall und ein gutes Zeichen für sauberes Aquarienwasser. Ergänzend gebe ich von Zeit zu Zeit eine 1%ige Kaliumpermanganatlösung zu. Anfangs dosierte ich recht ängstlich maximal 0,5 ml auf 200 bis 250 Liter, inzwischen bin ich da großzügiger, es kann auch schon mal ein Milliliter werden. Kaliumpermanganat ist ein Oxidationsmittel, das im Unterschied zu Wasserstoffperoxid das Redoxpotential sofort anhebt, statt es zu senken. Man benötigt kein Ozongerät, nicht einmal eine Redoxmessung ist zwingend erforderlich, wenngleich ich pH-  und Redoxmessgerät keinesfalls missen möchte. (Wem beides zu teuer ist, kann sich wie hier beschrieben helfen: http://www.stephangohmann.de/2017/02/03/ph-messung-mit-dem-redoxmessgeraet/). Anstatt mein Geld in ICP-Analysen zu investieren, würde ich es in jedem Fall bevorzugt für derartige Messelektronik ausgeben. Ferner kontrollieren wir täglich pH-Wert und Temperatur, mindestens wöchentlich die Karbonathärte sowie den Phosphatgehalt und analysieren 14tägig Nitrat und Calcium. Einmal im Monat, besser jede Woche, wird das pH-Messgerät kalibriert. Bei Handmessgeräten, die wir immer wieder abschalten, machen wir das sogar vor jeder Messserie.

Kaliumpermangant bekommt man als 1%ige Lösung in Apotheken. Man gibt es mit Hilfe einer 5 ml-Einwegspritze zu, auf die man ein Stück 6 mm-Luftschlauch gesteckt hat.

Kaliumpermangant verursacht braune Flecken, die allerdings auf der Haut binnen weniger Stunden wieder verschwinden. Trotzdem sollte man es besser mit Handschuhen zudosieren. Wer mit Ozon arbeitet sollte wissen, dass man ein Aquarium nicht mal eben von schlecht nach gut ozonisieren kann. Eine kontinuierliche Ozonisierung erscheint mir wenig sinnvoll. Das liegt zum einen daran, dass eine Dauerberieselung mit einem Giftstoff wohl kaum gut tut. Deswegen wende ich Ozon nur nachts für 1-3 Stunden über eine Zeitschaltuhr gesteuert an. Ist das Ozongerät (max. 5-10 mg/100 l) nicht zu stark ausgelegt, kann man dabei auch auf eine Redoxüberwachung verzichten. Das Redoxpotential ist übrigens stark pH-abhängig. Steigt der pH, so sinkt der Redoxwert. Eine redoxgesteuerte Ozonisierung ist tagsüber ständig damit beschäftigt, das aufgrund des während der Beleuchtungsphase ansteigenden pH-Wertes sinkende Redoxpotential anzuheben. Ozon darf wegen seiner Schädlichkeit für Menschen nicht in die Raumluft gelangen. Da man nachts meistens schläft und das Ozon in der Luft morgens wieder verschwunden ist, schlägt man durch nächtliche Ozongaben zwei Fliegen mit einer Klappe.

Schließlich wäre da noch der Wasserwechsel zu erwähnen. Aquarienwasser hat die Tendenz sinkender pH-Werte. Das liegt daran, dass Bakterien bei Ihrer Tätigkeit Säuren produzieren. Gleichzeitig steigt die Leitfähig wobei wir das im Meerwasser wegen des hohen Salzgehaltes nicht merken. All dem wirkt man mit einem Wasserwechsel entgegen. Allerdings bringt es wenig, monatlich 10% zu tauschen. Der Effekt ist verschwindend gering. Ich tausche lieber vierteljährlich und dann gleich die Hälfte aus. Mit den heutigen Salzen ist das kein Problem. Man setzt das Wasser am Tage zuvor an und belüftet es, um einen stabil hohen pH zu erreichen oder man gibt etwas Kalkwasser zu, bis der pH bei 8,3 liegt, und führt dann sofort den Wasserwechsel durch. Beim Ansetzen von Salzwasser immer das Salz ins Wasser einrühren, umgekehrt kommt es zu Unlöslichkeiten durch lokale Übersättigung. Der Salzgehalt sollte bei etwa 35‰ liegen. Das prüft man mit einem Refraktometer. Bei der Dichtemessung wird es komplizierter. Es gibt davon verschiedene und wer nicht weiß, welche sein Gerät misst, kann völlig daneben liegen. Falls man keine Lust hat, sich damit näher zu befassen, bleibt man bei Aräometern möglichst im markierten Bereich, die meisten Spindeln haben so etwas, oder richtet sich bei Refraktometern nach dem Salzgehalt. Ob die Refraktometer meerwasser-  oder natriumchloridkalibriert sind, ob sie eine Meerwasser- oder Natriumchloridskala haben, lassen wir außen vor. Solange wir in der Nähe von 35‰ bleiben, kann wenig schief gehen. Nur extreme, kurzfristige Schwankungen des Salzgehaltes sollten wir unbedingt vermeiden.

Strömung ist nach meinen Erfahrungen eher zweitrangig. Ob wir das Aquarium fünf oder zehnmal pro Stunde umwälzen, hat relativ geringen Einfluss auf das Wohlbefinden der Korallen. Außerdem ist in einem normal besetzten Riffaquarium jegliche Filterung, sei sie biologischer oder mechanischer Art, überflüssig. Ein ganztägig stabil hoher pH-Wert, ein hohes Redoxpotential, blaubetontes Licht, kein Phosphatmangel, silikatfreies Osmosewasser und eine regelmäßige Fütterung der Korallen, sei es nun direkt oder als „Mitesser“ bei der Fischfütterung, das sind nach dreißig Jahren Meerwasseraquaristik mit ungezählten Versuchen meine Säulen für eine erfolgreiche Korallenpflege.

Weiterführende Links:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2009GL040778/full

http://epic.awi.de/29613/1/Ohd2004a.pdf

http://www.nature.com/articles/ncomms10732

https://www.sciencedaily.com/releases/2008/09/080912133000.htm

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3562801/

http://www.zmt-bremen.de/en/Coral_polyp_calcification.html

http://www.nature.com/articles/ncomms8368

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3712411/

http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/feart.2014.00037/full

http://jeb.biologists.org/content/207/9/1461

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3962463/

http://www.wetwebmedia.com/ca/volume_5/volume_5_3/phosphates.htm

https://www.researchgate.net/profile/Paul_Sammarco/publication/241071299_Effects_of_phosphate_on_growth_and_skeletal_density_in_the_scleractinian_coral_Acropora_muricata_A_controlled_experimental_approach/links/552fd2c10cf2f2a588aa4e09.pdf

https://www.researchgate.net/publication/13870974_A_physiological_evaluation_of_carbon_sources_for_calcification_in_the_octocoral_Leptogorgia_virgulata_Lamarck

http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/280/1753/20122374

http://aem.asm.org/content/78/9/3136.full

https://www.researchgate.net/profile/Ranjeet_Bhagooli/publication/23486555_Coral_bleaching_The_role_of_the_host/links/0fcfd509b06124afd2000000.pdf

http://mobile.tube.aslo.net/lo/toc/vol_18/issue_3/0380.pdf

https://www.researchgate.net/profile/Eric_Schultz/publication/252673428_Migrating_haemulid_fishes_as_a_source_of_nutrients_and_organic_matter_on_coral_reefs/links/53e0cb1a0cf2d79877a50097/Migrating-haemulid-fishes-as-a-source-of-nutrients-and-organic-matter-on-coral-reefs.pdf

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