Kohlendioxid durch Gärung

Eine Kohlendioxidzugabe ist für optimalen Pflanzenwuchs wichtig, aber auch teuer. Mittels Gärungskohlensäure kann man zumindest kleinere Pflanzenaquarien preiswert mit diesem unentbehrlichen Nährstoff versorgen.

Gärungskohlensäure, sogar für anspruchsvolle Pflanzenarten – Stephan Gohmann

Man benötigt schon recht viele Fische, um über deren Atmung ein dicht bepflanztes und gut beleuchtetes Aquarium hinreichend mit Kohlendioxid zu versorgen. Ist das Aquarium größenmäßig eher im unteren Bereich angesiedelt, mehr als 200 Liter sollten es keinesfalls sein, dann muss man nicht unbedingt in teure Technik investieren, es geht auch preiswerter. Insbesondere für Anfänger ist das wichtig zu wissen, würden die doch ansonsten wegen der Kosten möglicherweise gar nicht erst in dieses tolle Hobby einsteigen.

Eine gute Kohlendioxidversorgung ist eine wichtige Voraussetzung für die Pflege eines Pflanzenaquariums. Sogar sehr anspruchsvolle Pflanzen wie diese Ammannia praetermissa lassen sich damit versorgen.

Wir benutzen Halbliter- und Einliter-PET-Flaschen, wie man sie beispielsweise für Mineralwasser verwendet. Ferner benötigen wir einen 5-mm-Metallbohrer, 6-mm-PVC-Schlauch, eine Nagelschere, eine normale Schere, zwei kleinere Ausströmersteine, Haushaltszucker, zwei Päckchen Trockenhefe sowie einen Tasse und schon kann es los gehen. Aus einer Halbliter- oder besser einer Einliterflasche, die wir etwa 10 cm von oben mit einer Nagelschere abschneiden, basteln wir uns auf diese Weise einen Einfülltrichter für den Zucker und die Hefe. In normalen Trichtern bliebe der Zucker hängen, sobald er Klümpchen enthält.

Den Deckel der Einliterflasche durchbohren wir mit einem 5-mm-Metallbohrer, schneiden dann einen 6-mm-PVC-Schlauch, der so lang sein muss, dass er von der Flasche bis zum Aquarienboden reicht, möglichst schräg ab und fädeln ihn mit dieser Schräge durch die Bohrung. Da der Schlauch dicker als die Bohrung ist, schmieg er sich fest an und dichtet das Ganze ab. Wir müssen nichts kleben, lediglich von Zeit zu Zeit mal den Schlauch, bevor er hart wird, etwas nachschieben oder ganz erneuern.

Ein Flaschendeckel aus Kunststoff wird mit dem 5-mm-Bohrer durchbohrt, ein 6-mm-PVC-Schlauch schräg abgeschnitten und durch die Bohrung gefädelt. So sollte das dann aussehen.

Jetzt messen wir anderthalb Tassen Zucker ab und füllen den mit Hilfe des selbst gebauten Trichters in die Flasche, außerdem noch ein Tütchen Trockenhefe. Es kann ruhig ein billige Sorte sein. Da immer mal etwas Zucker daneben fällt, macht man das alles am besten in einem Spülbecken.

Mit Hilfe einer Tasse und einer abgeschnittenen PET-Flasche als Trichter füllen wir die Zutaten in die Gärungsflaschen.

Die Flasche wird jetzt unter dem Wasserhahn mit 40 bis 50°C warmem Wasser gut dreiviertel voll befüllt. Wir verschließen sie mit dem Daumen und schütteln einige Male. Es muss aber nicht aller Zucker gelöst werden, das passiert später während des Gärvorganges von selbst.

Das Einfüllen geschieht am besten in einem Waschbecken, dann schadet es nichts, wenn mal etwas Zucker daneben fällt. Unter dem Wasserhahn wir die Flasche zu etwa drei Vierteln mit 40 – 50°C warmem Wasser befüllt.

Nach der Wasserzugabe verschließt man die Flaschen mit dem Dauemn und schüttelt sie einige Male. Der Zucker muss nicht komplett gelöst sein, das passiert nach und nach von selber.

Wir lassen die Flaschen ungefähr eine Stunde offen stehen, damit die Gärung beginnen kann. Man sieht das an der Schaumbildung. Jetzt haben wir genügend Druck in den Gärbehältern, sodass nach dem Anschließen an das Aquarium kein Wasser durch Unterdruck in die Flaschen zurück gesaugt wird.

Bevor man die Gärungsflaschen ans Aquarium anschließt, lässt man sie etwa eine Stunde offen gären. Dann hat man bereits genügend Druck, so dass nicht etwa Wasser aus dem Aquarium zurück in die Flaschen gesaugt wird.

Bei der Gärung ensteht Alkohol, der im Aquarium das Redoxpotential absenkt, indem er Bakterien als Nahrungsquelle dient. Man erkennt das an den ständig verschleimten Auströmersteinen, mit denen wir das entwickelte Kohlendioxid ins Aquarium einbringen. Anstelle der Ausströmersteine sind natürlich auch die sehr feinperligen Keramikdiffusoren aus Glas geeignet. Wie man die reinigt, habe ich hier beschrieben: http://www.stephangohmann.de/2017/02/23/reinigung-eines-glasdiffusors/ .

Etwas teurer als ein Ausströmerstein, aber sehr viel effektiver sind solche Keramikdiffusoren aus Glas.

Damit möglichst wenig Alkohol unser Aquarium erreicht, schalten wir eine mit Wasser gefüllte Waschflasche dazwischen. Wir durchbohren den Kunststoffdeckel einer Halbliterflasche zweimal mit unserem 5-mm-Bohrer und fädeln zwei angeschrägte 6-mm-PVC-Schläuche hindurch. Einen nur ganz kurz, das ist der Ausgang und den anderen fast bis zum Flaschenboden, dort gelangt das durch Gärung entstandene Kohlendioxid mit dem Alkohol in die Waschflasche. An diesem Schlauchende, das wir zuvor begradigen, bringen wir einen Ausströmerstein an. Außerhalb der Flasche müssen die Schläuche so lang sein, dass der Eingangsschlauch bis zur Gärflasche und der Ausgangsschlauch bis zum Diffusor oder Ausströmerstein am Aquarienboden reicht. Die Schläuche müssen nicht durchgehend sein. Ich verwende kleine Verbinder aus 4-mm-Acrylrohr, die ich mit einer Puksäge auf einige Zentimeter Länge gekürzt habe.

 

Die Gärflasche oder -flaschen werden über solch eine selbstgebaute Waschflasche ans Aquarium angeschlossen. So gelangt nur wenig von dem mit dem Kohlendioxid entweichenden Alkohol, der bei der Gärung entsteht, ins Aquarium. Dort senkt er das Redoxpotential und fördert die Bakterienentwicklung. Wir erkennen das an einer sich bildenden Schleimschicht am Ausströmerstein.

Das Gas sollte im Aquarium immer in Bodennähe austreten, damit ein möglichst langer Löseweg bis zur Wasseroberfläche entsteht. Es gelangt immer Gas bis nach oben, die Blasen werden aber auf dem Wege kleiner und es findet unterwegs ein Austausch gegen andere Gase statt. Es besteht bei Aquarien der hier angegebenen Größenordnung bis etwa 200 Liter kein Grund, in irgendwelche teuren Einwaschanlagen zu investieren. Wie lange solch eine Gärungsflasche reicht, kann man nicht genau beantworten. Ich gebe viel Kohlendioxid zu und beleuchte meine dicht bepflanzten Aquarien intensiv. Für mein 54-Liter Aquarium mit zwei 50 Watt LEDspots darüber benötige ich zwei Einliterflaschen, die ich über einen T-Verbinder an die Waschflasche angeschlossen habe. Ich erneuere die Flaschen mindestens wöchentlich. Trotzdem sinkt der pH-Wert nie unter 7,0, gegen Ende der Woche liegt er bei 8,5. Für „normale“ Aquarien würde ich je 50 Liter wenigstens eine Flasche empfehlen und ebenfalls einmal pro Woche neu befüllen. Dazu leert man sie aus und spült sie einige Male unter kräftigem Schütteln, während man sie mit dem Daumen verschlossen hält. Diese Form der Kohlendioxidzugabe funktioniert recht gut, allerdings ist die Gärung zu Beginn sehr viel intensiver als nach einer Woche. Ferner spielt die Umgebungstemperatur eine große Rolle, je wärmer es ist, desto schneller und stärker läuft der Gärvorgang ab. Das muss man im Hinterkopf haben, es kann zwischen Sommer und Winter einen großen Unterschied bedeuten. In kühlen Räumen funktioniert die Gärung deshalb weniger gut, ansonsten ist sie durchaus ein vollwertiges Verfahren zur Versorgung von Pflanzenaquarien mit Kohlendioxid.

Man sollte aber die Atmung der Fische, insbesondere nachts, und den pH-Wert im Auge behalten. Steigt die Atemfrequenz oder sinkt der pH stark ab, dann die Kohlendioxidmenge verringern oder das Aquarium zumindest in der Dunkelphase mit einer über eine Zeitschaltuhr gesteuerten Membranpumpe belüften.

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